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Die sechs Reifen des Silierwagens verteilen das Gewicht gleichmäßig auf der Moorfläche. (Foto: Ludger Engeln)

Breite Reifen fürs Moor

Technik für den labilen Untergrund

AUTORIN: Eileen Nicolai

DARUM GEHT’S: Mit innovativen Lösungen trotzt Bioland-Landwirt Ludger Engeln den schwierigen Bedingungen auf dem Moor. Angesichts Wiedervernässung, Auflagen zur Bewirtschaftung und Futterbedarf sucht er Wege, den Betrieb zu sichern.

Bioland-Landwirt Ludger Engeln aus dem Emsland bewirtschaftet große Moorflächen mit spezieller Technik, um den empfindlichen Boden zu schonen. Trotz extra breiter Reifen und Luftdruckregelanlage bleibt die Gefahr, einzusinken. „Erst vor ein paar Wochen mussten wir einen Traktor mit drei Schleppern rausziehen. Das war ein richtiger Kraftakt“, sagt er.
Der Landwirt nutzt 90 Prozent der 220 ha Moorflächen als Wiesen, um dort Futter für seine Milchkühe und Rinder zu gewinnen. Nur rund 10 Prozent dienen als Weide. Vor 25 Jahren hat er an seinem Hof das Hochmoor umgegraben, um Sand nach oben zu holen. Damals entstand dort Ackerland. Im Zug der Umstellung auf Bioland zwischen 2016 und 2017 nutzt er die Flächen nun wieder als Wiesen. Je nachdem, wo sich die Wiesen
Je nachdem, wo sich die Wiesen im Moorgebiet befinden, bewirtschaftet er sie nach zwei unterschiedlichen Varianten. Von den Flächen ohne Auflagen gewinnt er jährlich drei bis fünf Schnitte Futter für die Milchkühe und Rinder.
Ludger Engeln bewirtschaftet aber auch 90 ha der ökologische Ausgleichsfläche rund um die Mercedes-Teststrecke in Papenburg. Dort gelten strenge Auflagen: Er darf dort erst ab dem 15. Juni beziehungsweise 1. Juli mähen und Dünger ist in einigen Teilen tabu. Das Gebiet ist ein wichtiges Schutz- und Brutgebiet für Wiesenbrüter. „Ich darf dort nur zwei Schnitte machen. Wir produzieren dort einen Schnitt Heu und einen zweiten Schnitt für die Ökogasanlage“, sagt Engeln.

Förderung hilft

Um auf dem Moor arbeiten zu können, hat Engeln in Spezialtechnik investiert. Sein Silierwagen als Tridemvariante läuft im Hundegang, also leicht versetzt hinter dem Traktor – das verhindert, dass alle Reifen in derselben Spur fahren. Alle sechs Reifen sind luftdruckgeführt, ebenso die vier Reifen des Traktors. Den Luftdruck kann Engeln vom Tablet aus steuern.
Kürzlich bekam er von der Rentenbank einen Förderbescheid: 65 Prozent Zuschuss für einen neuen Claas Axion 870, der die Richtlinien für Moorfahrzeuge erfüllt. Auch dieser Schlepper ist mit einer automatischen Reifenregeldruckanlage ausgestattet und hat extra breite Reifen. „Ohne solche Technik geht es auf Moorböden nicht“, sagt Engeln. Gleichzeitig hat er eine neue Interessenbekundung eingereicht für einen kleineren Schlepper, der ebenfalls die Richtlinien zur Förderung für Moorfahrzeuge erfüllt.
Manche Lösungen hat der Landwirt selbst entwickelt. Zum Beispiel hat er an der Rundballenpresse die Achse versetzt. „Die Reifen sinken auf weichen Böden unterschiedlich tief ein. Wenn die Achse ein Stück versetzt ist, läuft die Presse höher und die Pickup kratzt nicht im Moor“, erklärt er.
Er selektiert die Flächen zur Heugewinnung. Sind zum Beispiel zu viele Binsen auf der Fläche, nutzt er den ersten Schnitt als Einstreu. Um die Ballen von den Flächen zu holen, setzt er eine spezielle Transportkombination ein. „Mit normalen Anhängern würden wir gar nicht auf dem Untergrund zurechtkommen. Da würde man sofort einsinken“, betont der Bio- Landwirt.

Auflagen als Hindernis

Die Auflagen der Schnittzeitpunkte im Wiesenbrütergebiet rund um die Mercedes-Teststrecke sind ein weiteres Hindernis. „Am 10. Juni hätten wir zum Beispiel gut mähen können, da hat das Wetter gepasst“, erinnert sich Engeln und ergänzt: „Aber da durften wir nicht. Anfang Juli war alles verblüht und dann kam der Regen.“ Erst im August konnte er dieses Jahr das Heu mähen, was zu deutlichen Qualitätseinbußen geführt hat. „Voriges Jahr konnten wir 30 ha gar nicht mähen. Das tut weh, wenn man das Futter braucht“, sagt er.
Für die Zukunft seiner Moorflächen ist Engeln zwiegespalten, denn Klimaschutz und Landwirtschaft prallen aufeinander. „Deutschland muss bis 2030 zehn Prozent der Moorflächen wiedervernässen. Sonst droht eine EU-Klage wegen zu hoher CO2-Emissionen. Ich bin gespannt, wie das umgesetzt werden soll“, sagt er. Engeln versteht das Ziel und sieht gleichzeitig die Folgen für seinen Betrieb. „Wenn Flächen rausfallen sollten, weil sie wiedervernässt werden sollen, fehlt uns Futter“, ergänzt er.
Dazu fällt ihm auch ein aktuelles Beispiel ein. Eine von ihm gepachtete Hochmoorfläche von 3,5 ha soll künftig wiedervernässt und mit Photovoltaik belegt werden. „Wir sind ein Pachtbetrieb und haben nur 45 ha Eigentum, wenn mir das in Zukunft häufiger passieren sollte, kann es herausfordernd sein, genug Futter für die Tiere zu produzieren“, sagt Engeln besorgt. Zurzeit diskutiert er mit Naturschützer:innen darüber, dass im Schutzgebiet der Mercedes-Teststrecke ein Teil der Fläche ebenfalls wiedervernässt werden soll.

Biogas verwertet Material

„Ich wünsche mir zukünftig noch mehr alternative Vermarktungsmöglichkeiten für das, was auf dem Moor wachsen kann, zum Beispiel für Rohrkolben“, sagt er. Ein großer Vorteil für ihn ist, dass er auch eine Biogasanlage betreibt. „Wir haben ausgerechnet, dass eine Tonne Material vom Moor 750 Kilogramm Mais ersetzt“, sagt Engeln. Damit kann er auch das Material aus dem Moor nutzen, das sich als Futter nicht eignet. „Viele Betriebe haben diese Möglichkeit aber nicht. Wenn man Rohrkolben oder andere Pflanzen auf wiedervernässten Moorflächen anbauen und verwerten könnte, wäre das ein großer Vorteil“, ergänzt er. Engeln fordert deshalb praxisnahe Lösungen: „Wir brauchen Förderprogramme, die nicht nur das Vernässen belohnen, sondern auch eine Verwertung der Moorpflanzen ermöglichen.“


Engelnhof GmbH & Co. KG

Landkreis Papenburg
Böden Hochmoor, humoser Sand (Sandmischkulturen), lehmiger Sand
Mittlere Jahrestemperatur: 8,7 °C
Jahresniederschlag: 828 mm
Höhenlage: 8 m ü. NN
Flächen: 590 ha, Großteil ist Dauergrünland, 220 ha Hochmoor
Betriebsschwerpunkte: 430 Milchkühe und Nachzucht, Ökogasanlage, Hähnchenmast, Käserei, Ackerbau, Kräuteranbau
Mitarbeiter:innen: insgesamt 32, davon 14 in Vollzeit und der Rest in Teilzeit und als Minijob
Weitere Infos: www.engelnhof.de